

Chinas Wirtschaft prescht vor dank Konjunkturpaketen
Donnerstag, 15. April 2010
Peking (Reuters) - Massive staatliche Konjunkturpakete haben der chinesischen Wirtschaft einen fulminanten Auftakt in das Jahr 2010 beschert.
Die Wirtschaftsleistung wuchs im ersten Quartal um 11,9 Prozent und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr, wie die Behörden am Donnerstag in Peking mitteilten. Analysten sprachen von soliden Zahlen, wenngleich das Vergleichsquartal wegen der weltweiten Wirtschaftskrise besonders schwach ausgefallen war. Die Daten dürften den Druck auf Regierung und Zentralbank erhöhen, die Geldpolitik zu straffen.
"Da die Nachfrage aus dem Ausland nicht dramatisch nachgelassen hat, ist es für die Regierung entscheidend, die Zügel entschiedener anzuziehen als bislang, um eine Überhitzung der Konjunktur zu vermeiden", schrieben Goldman-Sachs-Analysten in einer Kurzstudie. Die Jahresteuerungsrate sank im März auf 2,4 Prozent von 2,7 Prozent im Februar und fiel damit schwächer aus als erwartet. Experten rechnen erst bis zum Sommer mit einem Anstieg auf rund drei Prozent und damit die von der Regierung genannte Obergrenze. "Das Wachstum ist zu stark, es bedarf einer geldpolitischen Korrektur", sagte Analyst Ben Simpfendorfer von Royal Bank of Scotland in Hongkong. "Kurzfristig ist das ein gefährlicher Datenmix."
Die Zentralbank ist bislang im Wesentlichen mit einer Begrenzung der Kreditvergabe auf die konjunkturelle Bremse getreten. Anders als in Indien oder Malaysia wurden die Leitzinsen nicht angerührt. Auch weigert sich China, wie von den USA gefordert seine Landeswährung Yuan aufzuwerten. Singapur hatte am Mittwoch überraschend angekündigt, stärkere Schwankungen des Singapur-Dollars zuzulassen. Dies hatte Spekulationen ausgelöst, China könnte ähnliche Schritte einleiten. Erst am Montag hatten Chinas Präsident Hu Jintao und sein US-Kollege Barack Obama in Washington über das Thema beraten. Die USA werfen China vor, seinen Exporteuren mit einem niedrigen Wechselkurs unfaire Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
Analysten rechnen für das Gesamtjahr mit einem chinesischen Wachstum von zehn Prozent. Damit dürfte die Volksrepublik aller Wahrscheinlichkeit nach Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA ablösen. Beim Export verdrängte China bereits Deutschland vom Rang des Weltmeisters.